Broschierung

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englisch: Brocading; französisch: Brochage; italienisch: Stoffa operata.


Renate Jaques (1944)

RDK II, 1219–1221


RDK II, 1219, Abb. 2. H. 18. Jh. Berlin.

B. (von brocher = sticken, mit Seide, Gold und Silber durchwirken) nennt man ein Webverfahren mit Verwendung von Seide, Gold und Silber, das sich von der Brokatweberei (Sp. 1179ff.) der Technik nach deutlich unterscheidet. Die in dem Musterbild erscheinenden Seiden- und Metallfäden werden durch einen gesonderten Schuß, den sog. Broschierschuß, der mit der Broschierlade ins Gewebe geführt wird, eingebracht. Gegenüber der Brokatweberei, in der die Fäden also von Webekante zu Webekante – dem Muster nach sichtbar oder unsichtbar – über die ganze Stoffbreite geführt werden, wird der Schütze mit dem Broschierfaden durch die Broschierlade nur soweit im Gewebe eingelegt, wie die Broschierstelle groß ist. Es ist also – und hierfür ist der technische Ausdruck Broschieren = Sticken treffend gewählt – eine Art Einsticken eines bunten oder metallischen Effektes [1, S. 101].

Die Anwendung der B. in Deutschland deckt sich mit dem eigentlichen Beginn deutscher Seidenweberei überhaupt. Daher sind vor dem 18. Jh. keine deutschen broschierten Stoffe zu finden. Durch französische Weber bekamen die deutschen Seidenweber Kenntnis von dieser technischen Raffinesse. Allerdings erfolgt von dieser Zeit an die B. in der Hauptsache mit bunten Seidenfäden, wohl auch mit mehreren Seidenfäden der verschiedenen Tönungen als Licht-, Schatten- und Mittelfarbe, nachdem Philippe de Lasalle durch seine technische Verbesserung des Broschierwebstuhls unter Ausschaltung des metallischen Webfadens die reiche Skala bunter Töne zur Anwendung brachte [2, S. 136]. Ebenso wie bei der Brokatherstellung folgen die Muster der broschierten Stoffe im wesentlichen den französischen Vorbildern.

Zur Abbildung

Berlin, Schloßmus., Tapete aus Silberbrokat, Grund hellblauer Rips. Lyon?, 2. H. 18. Jh. Phot. Mus.

Literatur

1. Max Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde, Stuttgart 1904, Textbd. S. 101. 2. Otto von Falke, Kunstgeschichte der Seidenweberei, Berlin 1913. 3. Ernst Flemming, Textile Künste, Berlin o. J. (1923).

Verweise