Bogen (Waffe)

Aus RDK Labor
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englisch: Bow (weapon); französisch: Arc (arme); italienisch: Arco (arma).


Paul Post (1942)

RDK II, 994–996


RDK II, 995, Abb. 1. Heinrich von Veldeke, Aeneid, Berlin.
RDK II, 995, Abb. 2. Zeugbuch Maximilians I., München.

B., auch Hand- oder Flitz-B. genannt, ist die älteste, elementare Fernwaffe des Altertums und dient bis ins späte MA auch in Deutschland als Kriegs- und Jagdwaffe. Ihre Wirkung beruht auf dem gleichen Prinzip wie bei der aus ihr hervorgegangenen Armbrust (RDK I, Sp. 1058ff.).

Mangels erhaltener deutscher, aus früher Zeit überhaupt abendländischer Exemplare ist unsere Kenntnis auf Darstellungen angewiesen und auf Rückschlüsse aus dem reichen Bestand überkommener alter und z. T. noch heute im Gebrauch befindlicher B. des nahen und fernen Ostens. Der B. besteht aus Holz oder aus verleimtem Holz und Bein, wie er sich namentlich im Osten herausgebildet hat (s. Armbrust, RDK I, Sp. 1058ff.), aus der zum Spannen des B. dienenden Sehne aus Tiersehne oder gedrehtem Hanf und dem Geschoß, dem Pfeil, aus Rohr oder Holz, gefiedert und mit Kerbe versehen zum Einlegen in die Sehne, vorn mit der Spitze, ähnlich, nur länger, wie erhaltene deutsche Armbrustbolzen (s. Armbrust). Am einen B.-Ende ist die etwas kürzer gehaltene Sehne fest verknüpft; das freie Ende wird beim Spannen des B. mittels einer Schlaufe in die Kerbe am anderen B.-Ende gelegt. Zum Abschuß des Pfeils erfaßt die Rechte zugleich die Sehnenmitte und den aufgelegten Pfeil und legt beide an die Wange neben das zielende Auge, während die linke Faust den in der Mitte gefaßten, senkrecht gehaltenen B. vorwärts führt und bis zur völligen Reckung des Armes spannt. Das vordere Ende des Pfeils ruht auf der linken Faust. Bei höchster Spannung gibt die Rechte des zielenden Schützen die Sehne frei, und der Pfeil schwirrt dem Ziele zu.

Was die Bogenform betrifft, so begegnet während des ganzen MA auf deutschen Denkmälern, im Felde wie auf der Jagd, nur eine, und zwar die geschweifte B.-Form (Abb. 1). Diese Schweifung verfolgt den augenscheinlichen Zweck, den B. durch Verkürzung handlicher zu machen, ohne, gemäß dem Hebelgesetz, seine Spannkraft herabzumindern. Die Handlichkeit hat eine erhöhte Bedeutung, weil der B. vorzugsweise zu Pferde geführt wird. Diese Verwendung als Reiterwaffe mag wie die B.-Form selbst aus dem Orient übernommen sein, wo sie bei den Reitervölkern von jeher heimisch ist. Eine starke Verbreitung scheint der B. indessen in Deutschland nicht gewonnen zu haben wie etwa in England, wo er sich zur Nationalwaffe entwickelte. Seit dem 14. Jh. wird er fast völlig durch die wirksamere Schwesterwaffe, die Armbrust, verdrängt. Das Auftreten von B.-Kämpfern zu Fuß mit mannshohen, glatten Eibenholz.-B. im Heere Kaiser Maximilians I. dürfte daher eine singuläre Erscheinung sein, vermutlich unter Einfluß und nach dem Vorbilde der englischen B.-Schützen (Abb. 2).

Zu den Abbildungen

1. Berlin, Staatsbibl., Cod. germ. fol. 282, Aeneid des Heinrich von Veldeke, fol. XXXII: Ascanius auf der Jagd. Um 1200. Phot. Bibl.

2. München, Staatsbibl., Cod. 222, Zeugbuch des Kaisers Maximilian I., fol. 128: Bogenschütze. Phot. Zeughaus Berlin.

Literatur

Wendelin Boeheim, Handbuch der Waffenkunde, Seemanns Kunstbücher 7, Leipzig 1890.

Verweise