Deckfarbe

Aus RDK Labor
Zur Navigation springen Zur Suche springen

englisch: Colour, opaque, opaque colour; französisch: Couleur opaque, gouache; italienisch: Colore a guazzo.


Christian Wolters (1954)

RDK III, 1187–1189


Dem Wortsinn nach ist D. lediglich eine deckende Farbe im Gegensatz zu Lasurfarbe (s. Lasur). Als Malerei mit D. gilt jedoch ganz allgemein die Verwendung von deckenden Techniken mit wasserlöslichen Bindemitteln, meist auf Pergament oder Papier, im Gegensatz zur Lasurwirkung des Aquarells (RDK I 881ff.).

Es gibt Farbstoffe wie z. B. Weiß, Neapelgelb, Englischrot und Schwarz, die an sich schon deckend sind, also opak wirken, und solche, deren Teilchen transparent sind, wie z. B. Krapplack und Ultramarinblau, und deshalb lasierend besonders gut angewendet werden können. Die Deckfähigkeit bzw. Lasurwirkung der überwiegenden Menge der Farbstoffe steht in einer gleitenden Skala zwischen diesen beiden Extremen. Diese Eigenschaften hängen (auch bei den an sich deckenden oder lasierenden Farbstoffen) von einer Vielzahl von Faktoren, wie Herstellungsart, Korngröße, Reinheit, Dicke des Auftrags, Art und Menge des Bindemittels und Malweise ab, so daß sowohl in Wasserfarben wie auch in Tempera und Öl lasierende, halblasierende, halbdeckende und deckende Malweisen möglich sind. Man unterscheidet deshalb zwischen Tiefenlicht und Oberflächenlicht. Während beim ersteren das Licht aus tieferen Schichten der Malerei geschwächt und gebrochen zurückgeworfen wird, die Farben also dunkler und transparenter erscheinen, wird es beim Oberflächenlicht direkt reflektiert, wobei die Farbstoffe fast das helle und opake Aussehen der Farbpulver behalten (z. B. bei ungefirnißter Tempera im Gegensatz zur gefirnißten).

Unter Aquarellmalerei versteht man wegen der außerordentlichen Dünne des Farbauftrags und dem Durchscheinen des weißen Papiers (wobei auch an sich deckende Farben transparent wirken) die lasierende Wasserfarbentechnik. Mischt man Aquarellfarben mit Weiß, oder setzt man schon bei der Herstellung Tonerde oder einen anderen weißen Farbstoff zu, so erhält man bereits deckende Wasserfarben. Die Bindemittel (lediglich mit Wasser versetztes Farbpulver würde nach dem Trocknen nicht haften) sind bei der D. reichhaltiger als bei den Aquarellfarben. Außer Gummi arabicum (dem Saft angeschnittener tropischer Akazienarten) wird auch der Gummi einheimischer Steinobstbäume verwendet. Alle Gummiarten sind wasserlöslich (im Gegensatz zu den Harzen der Nadelbäume, die nur in Kohlenwasserstoffen – z. B. Terpentinöl – gelöst werden können) und unterscheiden sich chemisch von den anderen in Frage kommenden pflanzlichen Bindemitteln, den Gelatinen und Leimen, in erster Linie durch ihren Stickstoffgehalt. Unter den tierischen Leimen spielt bei der D. seit jeher, und besonders in der hoch-m.a. Buchmalerei, das mit Wasser verdünnte Weiße des Hühnereis eine besondere Rolle [5]. Dieses „Eiklar“ enthält praktisch keine Fette und Öle und ist im Gegensatz zum durcheinandergeschüttelten Vollei (Eigelb enthält ca. 22% Fette und Öle) keine Vermischung von wässerigen und öligen Bestandteilen (Emulsion). Es ist also keine Tempera.

Die Unterscheidung zwischen lasierenden und deckenden Farben in wasserlöslichen Bindemitteln datiert nicht erst seit dem Auftreten des reinen Aquarells. Schon so frühe Quellen wie Heraclius (III, Kap. 58) und die Mappae clavicula (ed. Philipps in Archaeologia 32, London 1847, S. 188) sprechen von „colores (in pergameno) spissi et clari“. Dementsprechend hat es D. neben lasierenden in allen m.a. und nach-m.a. Zeiten gegeben.

Guasch ist nichts anderes als eine D. im besprochenen Sinne. Die Bezeichnung sagt nichts über ein spezielles Bindemittel aus, wenn es sich dabei auch meist um Gummifarben handeln dürfte.

Literatur

1. Kurt Wehlte, Temperamalerei, Ravensburg 19462. – 2. Ders., Das Malen mit Wasserfarben, Ravensburg 1950. – 3. Rutherford J. Gettens und George L. Stout, Painting Materials, New York 19474. – 4. Max Doerner, Malmaterial und seine Verwendung im Bilde, hrsg. v. Toni Roth, Stuttgart 19499, S. 220–27. – 5. Quellengeschichtliche Untersuchungen zur „Schedula diversarium artium“ des Theophilus, Kap. III: Heinz Roosen-Runge, Die Buchmalereirezepte des Theophilus. Münchner Jb. III. F. 3/4, 1952/53 (im Erscheinen).